Der Verna Park in Rüsselsheim ist ein kaum bekanntes gartenbauliches Kleinod im Stil der englischen Landschaftsgärten – wenn auch mit beschränkten Ausmaßen. Er dient als Namensgeber für das 2016 als Wettbewerb ausgeschriebene Wohnungsbauprojekt „Wohnen am Verna Park“ der örtlichen Wohnungsbaugesellschaft Gewobau: Auf einem schmalen Grundstück hat das Münchner Büro Baur & Latsch hier insgesamt 50 Ein- bis Vierzimmerwohnungen realisiert, die auch für Student*innen, Familien und Rentner*innen bezahlbar sein sollen.

Verteilt sind die Wohnungen auf sieben Einzelhäuser, die sich in Kubatur, Körnung und Materialität in die kleinteilige Struktur der Nachbarschaft einfügen. Der poröse Stadtblock aus Einzelgebäuden, der hier um 1900 für die Werksmitarbeiter des Autobauers Opel entstand, wurde dabei von den Architekt*innen nachverdichtet, ohne seine ursprünglichen Charakter zu verlieren. Unter der Siedlung ist eine durchgängige Tiefgarage eingelassen.

Die Baukörper sind situativ modelliert: Dimensionierung und Rücksprünge reagieren auf die Nachbargebäude und den vorhandenen Platz in den Baulücken. Vorgelagerte Eingangsbauten nehmen Bezug auf die Anbauten im Viertel. Die Wege sind als halböffentliche Hofsituationen angelegt und tragen durch den Einsatz eines einheitlichen Pflasterbelags dazu bei, dass die Neubauten als zusammenhängende Struktur wahrgenommen werden. Auch die gekachelten Fassaden knüpfen an die umgebenden Oberflächen der Bestandshäuser, Mauern und alten Industriebauten an. Die hofseitigen Stall- und Scheunengebäude des Bestands fungieren als Vorbild für die regalartige Holzkonstruktion der nach Süden ausgerichteten Balkone, die an jedem Gebäude zu finden sind.

Die historischen Klinker der Umgebungsbauten sind größtenteils von einem bleichen, teilweise grünlichen Ton geprägt, der heute so nicht mehr erhältlich ist. Um die neuen Fassaden trotzdem in das Umfeld einzubetten, wurde ein roter Backstein mit Kohlebrand und heller Schlämme veredelt. Die vom Hersteller GIMA individuell angefertigten Klinker wurden von Hand in Riemchen gebrochen und im Mörtelbett auf die Fassaden aufgebracht. Lediglich ein einzelnstehendes Gebäude unterscheidet sich durch seine grüne, grob strukturierte Putzfassade. (tl)

Fotos: Sebastian Schels, Christian Latsch

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