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Immobilienmarkt bricht ein nach Coronakrise

Ist die Coronakrise auch eine Immobilienkrise? Als Basis für diesen Artikel diente mir eine Publikation meines lieben Freundes Mike DelPrete mit dem Titel «Survival oft he Fittest: The Real Estate Pandemic Survival Guide». Mike hat sich die Verkäufe in den vom Virus am stärksten betroffenen Ländern angeschaut. Dann habe ich mich mit Immobilienfachleute zur Situation in der Schweiz ausgetauscht. Wie kann die Immobilienbranche in Zeiten von Corona überleben. Mike meinte, dass die Branche sich langsam bewegt, aber sie hätte sich niemals zuvor so schnell bewegt. Ist also die Coronakrise auch eine Immobilienkrise?

Verkäufe werden zurückgehen

Internationale und historische Daten zeigen, dass die Pandemie in Kombination mit den einschneidenden Massnahmen die Immobilienverkäufe dramatisch reduzieren wird – bis zu 90 %. Auch wenn die Reduktion wohl nur für eine beschränkte Zeitdauer gelten wird, werden nur die agilsten und stärksten Betriebe überleben. Heute verfügbare Daten aus China und Italien zeigen, dass die aktuelle Pandemie mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer temporären, aber dramatischen Reduktion der Immobilienverkäufe führen wird. Die folgende Grafik macht sichtbar, wie in China nach dem Ausbruch die Transaktionen um fast 100 % zurückgingen. Der Rückgang hielt während mehrerer Wochen an und erst jetzt steigen die Verkäufe wieder (aber immer noch 50 % unter den Vorjahreswerten).

Auch in Italien gingen die Verkäufe zuerst zwischen 20-40 % zurück, um im März zwischen 70-90 % zu fallen. Gemäss dem führenden Immobilienportal in Italien sanken die Wohnungsbesichtigungen Anfang März um mehr als 50 %, verglichen mit dem Vorjahr.

Konsumentenverhalten wird sich langfristig ändern wegen der Coronakrise

Die aktuelle Pandemie wird uns eine Anzahl von Chancen hinterlassen, welche den sich erholenden Immobilienmarkt beeinflussen werden. Social Distancing wird die Einführung von Dienstleistungen begünstigen, welche den Kaufprozess fundamental verändern können. Mike DelPrete sieht grosse Möglichkeiten für neue Produkte und Dienstleistungen wie iBuying, Online-Notare oder virtuelle Besichtigungen. Treiber dieser Entwicklung ist aber nicht die Pandemie, sondern die sich ändernden Anforderungen der Konsumenten. Diejenigen Firmen, welche diese geänderten Kundenbedürfnisse am besten befriedigen können, werden erfolgreich sein.

Ist die Coronakrise auch eine Immobilienkrise?

Ich habe Andreas Schlecht, Unternehmensleiter von as immobilien und Präsident von SVIT Bern, um seine Meinung gebeten. Hier die Aussagen von Andreas: Grundsätzlich ist die Krise noch neu und frisch. Wir befinden uns erst in der Woche 3 der „neuen Normalität“ und haben den Schock überwunden und gewöhnen uns langsam an die neuen Normen und an die neuen Kommunikationsthemen.

Wohnen wird an Wichtigkeit gewinnen, bei Miete wie auch beim Kauf. Ausstattungsmerkmale wie Küche, Garten, Balkon, Arbeitsräume, Rückzugsflächen, eigene Waschmaschine, etc. sind bisher wenig beachtet worden, bekommen nun eine neue Priorität. Was nützt einem die städtische Infrastruktur, wenn alles geschlossen und sogar als gefährlich eingestuft wird. Demgegenüber profitiert stadtnahes oder ländliches Wohnen von Bewegungsfreiheit, Spaziergang, Natur. Und dies alles erst noch gratis.

Die Entwicklung am Immobilienmarkt könnte wegen Unsicherheiten beim Job, bei den Löhnen oder bei den Hypothekarzinsen beeinflusst werden.

Das Fazit von Andreas Schlecht: Nach einem Bremser geht es relativ schnell zur abgeschwächten Normalität zurück mit stabilisierenden oder leicht nachlassenden Preisen.

Verkauf von neuen Wohneinheiten gerät ins Stocken

Zur Situation in der Ostschweiz meint Thomas Eigenmann, Geschäftsführer der HEV Verwaltungs AG, dass die Auswirkungen der Coronavirus-Krise noch nicht schlüssig beantwortet werden können. Trotz den  wieder aufkommenden Befürchtungen über einen Crash erachtet beispielsweise die Credit Suisse den Wohnungsmarkt als stabilen Anker des Immobilienmarktes. Sollte die Corona-Krise länger als erwartet dauern, werde der Verkauf von neuen Wohneinheiten erheblich ins Stocken geraten. Nach Abflauen der Pandemie dürfte der Markt für Wohneigentum relativ rasch wieder zum Vorkrisenzustand zurückkehren – mit Ausnahme des Luxussegments.

Les conséquences de la crise du Coronavirus sur le marché et immobilier

Bertrand Mingard, Generalsekretär von SVIT Romandie, sieht die Situation ähnlich wie Andreas Schlecht oder Thomas Eigenmann.

La demande et, avec un certain retard, l’offre sur le marché immobilier vont fortement chuter à court terme, pour remonter à nouveau modérément puis fortement une fois la crise passée. Les immeubles commerciaux et le secteur du buy-to-let seront concernés plus que la moyenne suite au report ou à l’arrêt des investissements, à l’insolvabilité et à la dynamique réduite des transactions.

Les craintes d’une crise immobilière imminente sont injustifiées vu le solide ancrage du marché du logement, estime Credit Suisse dans sa dernière étude. Cependant, les promoteurs de nouvelles constructions et de l’immobilier de luxe risquent de souffrir.

Besondere Umstände verlangen besondere Massnahmen

Schliesslich habe ich auch Claude Ginesta, CEO Ginesta Immobilien AG, um seine Meinung gefragt. Er hat kürzlich anlässlich des Curem-Talks seine Einschätzung abgegeben und auch auf seiner Website einen Artikel zum Thema publiziert. Claude schreibt, dass sie bis heute fast keine Käuferrückzüge von reservierten Verträgen hätten verzeichnen müssen. In den letzten Tagen hätten sie die Geschäfte regulär beurkunden können. Die Nachfrage nach Besichtigungen hingegen habe aufgrund der vom Bundesrat verordneten Massnahmen nachgelassen.

Erst in zwei bis drei Monaten würden wir konkreter sehen, ob die derzeitige Krise als temporärer Stillstand bezeichnet werden könne oder eine grosse Wirtschaftskrise nach sich ziehe. Selbst ein Jo-Jo-Effekt mit einer stark verbesserten Börsen- und Wirtschaftssituation sei im Frühsommer nicht auszuschliessen. 

Ginesta Immobilien sei im Moment daran, viele Objekte mit virtuellen Grundgängen auszustatten, damit man in den nächsten Wochen auch ohne Besichtigungen vor Ort einen ersten Eindruck gewinnen könne. Claude Ginesta glaubt, dass die Kunden diese neue Art von Objektbesichtigung in den Zeiten von Corona schätzen werden. 

Ist die Coronakrise also eine Immobilienkrise?

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